Uli Baum
Berater, Coach und Trainer

Mythos Weiterbildung

Die Weiterbildungslandschaft ist gespickt mit Märchen rund um Lernen und Veränderung. Hier erfahren Sie nun die Realitäten: 

  1. Mythos: Lernen und Veränderung geht schnell, einfach und ohne jede Anstrengung. Mitarbeiter sind nach einem ein- bis zweitägigen Training ausreichend informiert und setzen alles wie erfahren um.

    Wahrheit: Um Gewohnheiten zu ändern, muss erst mal reflektiert werden, wie das bisherige Verhalten aussieht um dann step by step mit Training und begleitendem Feedback neue Verhaltensweisen aufzubauen, bis diese genauso automatisch ablaufen, wie die alten Gewohnheiten. Das alles braucht Offenheit, Zeit, Arbeit, Motivation und Disziplin.
     
  2. Mythos: Einstellungen lassen sich „mal eben“ in einem Training/Seminar verändern.

    Wahrheit: Alle Einstellungen sind durch Erkenntnisse, die wir aus Erfahrungen erzielen, tief verankert und sorgen dafür, ob das Glas halb voll oder halb leer ist. Die Arbeit an fundamentalen Einstellungen ist sehr filigran und erfordert individuelles Vorgehen.
     
  3. Mythos: Der Trainer/Coach ist dafür verantwortlich, dass die Teilnehmer Lerngewinn erzielen und diesen in der Praxis anwenden.

    Wahrheit: Man kann andere Menschen nicht verändern. Das können sie nur selbst tun. Man kann höchstens geeignete Rahmenbedingungen schaffen.
     
  4. Mythos: Die Umsetzung der Trainingsinhalte in die Praxis läuft unbewusst und automatisch ab. Wissen muss man nicht pauken, wiederholen oder gleich anwenden, sondern es bleibt von allein haften. Im Bedarfsfall ist es sofort abrufbar.

    Wahrheit: Nach 20 Minuten sind 60 Prozent der Details vergessen. Über einen Zeitraum von 30 Tagen, fällt die Erinnerung an Gelerntes ohne Wiederholung und häufige Anwendung auf unter 10%.
     
  5. Mythos: Führungskräfte müssen nicht darauf achten, dass Mitarbeiter die Trainingsinhalte umsetzen. Jeder Mitarbeiter macht das ganz allein in Selbstverantwortung.

    Wahrheit: Jeder Mensch braucht eine unterstützende Umgebung, damit neue Denk- und Verhaltensweisen in die Tat umgesetzt und stabilisiert werden können. Neurowissenschaftlich erwiesen ist, dass Rückfälle in alte Denk- und Verhaltensweisen völlig normal sind. Und die Sucht des Menschen in seiner "Komfortzone" zu bleiben ist größer als seine Bereitschaft, auch jeden noch so kleinen Mangel abzustellen.
     
  6. Mythos: Man kann alles lernen, wenn man nur will.

    Wahrheit: Genetische Faktoren und die eigene Bereitschaft entscheiden, wie gut ein Mensch wirklich lernen kann. Jeder hat seine natürlichen Grenzen. Deshalb ist es besser, die Talente und Fähigkeiten eines Menschen zu erkennen und zu fördern, anstatt aus ihm etwas machen zu wollen, was er nicht ist. Oder: Stärken zu stärken ist das einzig sinnvolle!
     
  7. Mythos: Feedbackfragebögen am Ende eines Seminars sind das verbreitetste Instrument zur Evaluierung eines Seminarerfolgs. Die Annahme ist, wenn überall nur beste Bewertung stehen, ist damit der Lernerfolg für die Praxis sichergestellt.

    Wahrheit: Trainer, die empathisch, unterhaltsam, kompetent und authentisch wirken, können Teilnehmer begeistern und damit in entsprechenden Fragebögen tolle Bewertungen erzielen. Mit nachhaltigem Umsetzungserfolg hat das nichts zu tun. Denn die Trainingseuphorie verpufft genauso schnell wie gute Vorsätze zu Neujahr.